03.06.2021 Sa Calobra, Torrent de Pareis

Ich wache auf und schwelge in Erinnerungen: in meiner Kindheit war ich schon mit meinen Eltern auf Mallorca und es stand irgendwo danach ein Foto von mir herum, wo ich im Kiesbett der Schlucht hocke, einen dicken Kiesel in der Hand halte und in die Kamera lächele.

Die Liebe zu diesem einzigartigen Canyon ist geblieben und so zieht es mich bei jedem Mallorca Urlaub hierher, zuletzt 2015 mit meinen Eltern. 15 km sind wir in Serpentinen die Schlangenbucht hinabgefahren, nachdem das Ausflugsboot bei zu starkem Wellengang nicht in Sa Calobra anlegen konnte.

2008 war das noch eine ganz andere Nummer, da bin ich mit meiner Freundin Helen von oben 5 Stunden durch die Schlucht geklettert, pünktlich um 15 Uhr haben wir den Bus bekommen, der uns wieder beim Mietwagen rausgelassen hat. Den nächsten Tag hatten wir dann den Muskelkater unseres Lebens in Armen und Beinen.

Aufgrund der Corona Lage ist der öffentliche Busverkehr zur Zeit hier eingestellt und Taxen gibt es auch keine, daher war die Entscheidung die Schlucht von unten anzugehen genau richtig.

Wir sind sprachlos und überwältigt zugleich, es sind kaum Menschen um 11 Uhr am UNESCO Erbe. Die meisten Restaurants sind geschlossen, nur ein paar Boote dümpeln vor dem Felseneinschnitt.

Wir wandern los und wundern uns über den hohen Wasserstand in der Schlucht und dann hocken wir etwas ratlos nach dem Gefahren Schild vor einer großen Gumpe.

Es hilft nichts, Schuhe aus und durchwaten, das Wasser reicht Marcus bis zum Oberschenkel, mir entsprechend höher. Auf der anderen Seite der Gumpe geht das Gekletterte, das Hochgeziehe los, mit dem Rücken an eine Wand gepresst mit den Füßen an die andere und so geht es immer weiter in den Canyon. Ein Mader leistet uns scheinbar Gesellschaft, denn er geht immer ein Stück voraus und taucht dann zwischen den Felsen wieder auf.

Die Engstelle „Kanonenkugel“

macht uns inzwischen gar keine Schwierigkeiten mehr, aber dann kommt unsere Angst – und sonstige Umkehrstelle. Eine geführte Gruppe kommt uns entgegen, der Guide bringt seinen letzten Gast heile über die hohe Engstelle und klingt sein Verlängerungsseil aus, schaut uns mitleidig an und drückt uns noch den Spruch „Habt ihr kein eigenes Seil dabei, das was da hängt, hängt da schon seit meiner Geburt, dem würde ich nicht trauen.“

Wir trauen dem Geburtsseil doch und überwinden einfacher als gedacht die Schikane. Der Mader ist immer in unserer Nähe und nach 2 Stunden Rumgekraxele geben wir ihm etwas von unserer Schinkenpizza ab. Er hapst es auf und wart nicht mehr gesehen.

Wir haben uns zu diesem Zeitpunkt bewiesen, dass wir es noch können und das mit 50 oder fast 50 und kehren um.

Als wir wieder das Meer zwischen den Felsen sehen und keine Blessuren an uns feststellen können, schwingt da so ein Gefühl in uns mit, ich glaube man nett es Stolz.


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