09.06.21 Von Mortitx zu den Hexenhöhlen

Die Morititx Schlucht ist die kleine Schwester des Torrent de Pareis, sie ist kürzer, hat nicht so riesige Felsbrocken und ist eigentlich leichter zu begehen.

Im Wanderführer steht etwas von 4,5 Stunden, aber schaffen kann man das nicht wirklich. “ Die außergewöhnliche Wanderung führt durch einen wilden, weitgehend unberührten Landstrich.“

Normalerweise geht man erst den Hinweg über das Gelände und später auf dem Rückweg durch die Schlucht zurück.

Aus Erfahrung weiß ich, dass der Weg über das Gelände nicht leicht zu finden ist und man oft am Dissgras hängen bleibt. Die Entscheidung war genau richtig, denn allein auf dem Weg in die Schlucht ist das Gras Mannshoch und schneidet sich in die Haut, wenn man aus Versehen drauftritt und es damit unter Spannung setzt und sich so selbst geißelt. Wir gehen also durch die Trampelpfade bis zum Schluchteingang und da habe ich schon die Nase voll von dem Dissgras, dass mir die Knie angeritzt hat. An meine kurzen Hose kann ich die Beine wieder per Reißverschluss anbringen, Marcus hat die selbe Hosen an, nur hat er seine langen Beine vergessen.

Die kniffeligste Stelle ist an einer Gumpe, die mit Wasser gefüllt ist. Mit dem Rücken an den Berg gepresst und mit den Füßen neue Trittstellen suchend, geht es am besten. Wir überwinden die Gumpe und treffen ein Pärchen. Die beiden Deutschen haben die normale Wanderung über das Gelände gemacht und das in kurzen Hosen, ihre Beine sind übersäht mit Striemen und sie sehen aus wie gegeißelt.

Das Ziel der Wanderung: die Hexenhöhlen, haben sie längst aufgegeben und wollen nur noch zurück zum Auto. Marcus gibt ihnen noch Tipps für die Gumpe und wir gehen weiter am Gänseschnabelfelsen

vorbei bis zum verfallen Haus und dann noch bis zu dem Aussichtspunkt, den wir vor Jahren ausgelassen hatten. Wir sehen die kleinen Hexenhöhlen, die nur mit dem Besen zu erreichen sind, denn sie klaffen unerreichbar im Fels.

Nach unserer Rast will Marcus auch zum zweiten Aussichtspunkt , um die große Höhle zu sehen.

Ich entscheide mich für den Rückweg und warte am verfallenen Haus auf ihn. Nach 45 Minuten ruft er nach mir und es hallt gespenstisch laut zwischen den Bergen. Er hat die Orientierung im hohen Gras verloren und ich werde zu seinem Orientierungspunkt.

Glücklich vereint gehen wir die Schlucht zurück, schneller als beim Abstieg, den letzten Tropf Wasser ausgetrunken, denn die Schlucht heizt sich extrem auf und man fühlt sich als würde man durch einen Backofen klettern.

Insgesamt waren wir 6, 5 Stunden in der einsamen Gegend unterwegs. Am Auto sag ich Marcus, dass ich das letzte Mal diese Wanderung gemacht habe, Marcus stimmt mir zu und sagt: “ Ich glaube, ich auch!“

Wir springen noch in Port de Pollenca ins Meer und fotografieren unsere Wunden.


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