Eselwandern in der Pfalz Tag 1

„Sag mal Kind, was wünscht du dir eigentlich zum Geburtstag?“ fragte mich meine Mutter und ich antwortete „einen Esel oder zwei, zum Wandern!“ Dieser Wunsch ist nicht zig Jahre her, sondern der Wunsch einer 51jährigen.

Eselwandern kann man zwar auch in der Eifel, aber schöner ist es in der Pfalz, vorbei an faszinierenden Sandsteinformationen im bekannten Felsenland.

Wenn man dann auch noch lange genug auf den Ehemann einredet, hält er so eine Esel Wanderung glatt für den eigenen Wunsch. Und so bekam Marcus zu seinem 50. Geburtstag auch die sagenumwobenen Esel Wanderung geschenkt. Ach sie sehen so süß aus mit ihren flauschigen Ohren und ihrem ruhigen Gemüt.

Max ist unser Esel Verleiher und mit großer Zuneigung pflegt er seine Eselsbande und bringt uns alles bei, halftern, striegeln, Hufe auskratzen, satteln und konsequent führen. Wir sind trotz Regen bester Dinge und wandern los, den letzten Hinweis „nicht direkt aufgeben“ nehmen wir gar nicht richtig wahr.

Am Anfang suchen sich die Esel ihren Menschen aus, Chilli das Männchen wählt Marcus, Gloria als Leiteselin will mich und so kommen wir nur schrittweise voran, denn überall lauert der beste Grasbüschel am Wegesrand. Am Esel zerren, schieben oder gutes Zureden bringt alles nicht viel, Esel wissen direkt, wenn man sich nicht auskennt.

Und so suchen wir verzweifelt nach dem Weg und dann haben wir es gefühlt raus, ich mit Gloria ein paar Schritte voraus und Chilli mit Marcus hinterher. Gloria hält den perfekten Abstand ein und blickt sich immer wieder nach Chilli um und wartet, wenn er dahinschleicht. 11,5 km ist die kurze Strecke nach Ludwigswinkel, aber wir laufen mehr. Als wir auf den Eulenfelsen kraxeln sind die beiden Esel voll motiviert, dann trauen wir ihn den steilen Abstieg auf der anderen Seite nicht zu, kehren ein Stück um und suchen einen anderen Weg. Gloria scheint alles auf die Nerven zu gehen und zieht uns gnadenlos zum Hauptweg zurück. Neuer Anlauf mit Umweg. Die übliche Runde scheinen sie zu kennen und ziehen an einer Weggabelung gekonnt Richtung Heimatstall, aber unser Weg geht anders weiter.

So eine Esel wanderung könnte man auch als Paartherapie bezeichnen, denn zwischendurch sind wir verzweifelt, zicken uns gegenseitig an und wissen nicht so richtig, ob wir vielleicht doch aufgeben und wieder zurück gehen sollen. Als Marcus und ich uns einig sind und das Ziel in 7 km Entfernung ist, ziehen wir es durch. Konsequent schreite ich voran, Chilli läuft teilweise richtig schnell hinterher. Wir machen Strecke und haben den Bogen raus, bis da diese Brücke über den Bach geht. Gloria will nicht, sie hat Angst, Chilli läuft ohne mit der Wimper zu zucken rüber, aber Gloria bockt und gegen 300 kg Zugkraft geht halt nichts. Leckerli, gut Zureden, zerren von beiden Seiten, nichts hilft. Wir drehen um und gehen an der Straße entlang, verlangsamen gleichzeitig die heranbrausenden Autos wild gestikulierend.

Noch 5, 5 km und inzwischen hat sich das Wasser seinen Weg durch die Kleidung gesucht, trotz 3 Regenjacken übereinander, steht der Regen in den Schuhen und im Nacken läuft das Rinnsal immer weiter runter.

Die letzte Etappe stapfen wir als Quartett durch die Pfützen und die Masche auf den Wegen.

Um 1730 Uhr haben wir endlich unser Hotel erreicht, und satteln die Esel ab und führen sie auf die Koppel.

Wenn man so einen Tag durchsteht, hat man die Paartherapie erfolgreich bestanden. Morgen kommt die nächste Lektion.


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