Eselwandern 2. Tag Rumberg Steig

Wir haben ein schlechtes Gewissen, die Esel stehen ohne Unterstand im Regen, während wir uns unter der Dusche aufwärmen und die Heizung im Zimmer aufdrehen und unsere nassen Klamotten im Hotel eigenen Trockner trocknen lassen.

Nach einer Übernachtung sehe ich Schnee auf den Wiesen und ich denke nur „unsere armen Esel“. Noch vor dem Frühstück schleiche ich mich zur Koppel und mein Herz geht auf. Beide Esel kommen direkt auf mich zu stupsen mich an zur Begrüßung.

Die romantische Vorstellung mit einem Esel wandern zu gehen entspricht meistens nicht ganz so der Realität, heute jedoch schon. Die Sonne kommt raus, die Esel lassen sich bürsten und wissen nach dem Anlegen des Halfters „jetzt geht’s los!“

Marcus Schwester und Bruder sind heute mit dabei und den Esel scheint die größere Herde sichtlich zu gefallen. Sie benehmen sich auf jeden Fall vorbildlich und laufen mit lockerem Führseil neben uns her, ab und zu wird ein Grasbüschel im Gehen geschnappt, aber sie bleiben ganz gut in Bewegung.

Der Rumberg Steig ist nicht umsonst ein Premium Wanderweg mit tollen Fels Formationen, der Rösselsquelle, schönen Weihern und einer als Museum erklärten Bunkeranlage.

Während der Wanderung begegnen wir wenigen Menschen, und wenn doch sind wir mit unseren Eseln das Foto Motiv Nr. 1. Gloria fechtet mit mir einen kleinen Machtkampf aus, denn sie pöbelt durch mehrfaches Anrempeln rum. Zuerst dachte ich es wäre ein Versehen, aber beim 3. Mal bekommt sie den Anrempler zurück und eine kleine Standpauke. 1:0 für mich, die Fronten sind geklärt.

Wir machen Picknick und die Esel grasen oder zwacken sich junge Zweige ab, alles zusammen ist es ein Bild der perfekten Idylle.

Irgendwann haben wir von den anfänglich 11 km nur noch 3 km übrig und Gloria trabt schnellen Hufes den Berg hinunter. Als Chilli sie aus den Augen verliert, gibt er Kniegas und galoppiert ihr hinterher. Wehe, jemand versucht einen Esel am Seil festzuhalten, das würde eh niemand schaffen. Und so bremst das süße Eselchen auf Gloria’s Höhe wieder ab und beisst mit ihr zusammen in den Ginster.

Die letzten Kilometer haben die beiden sich fürs Bauch vollstopfen ausgesucht und so geben wir im Kurpark auf und lassen sie weiden.

An der Koppel angekommen, striegeln wir sie und kratzen ihnen die Hufe aus, danach wälzen sie sich genüsslich im Sand und sind anscheinend enttäuscht, dass sie nicht mehr mitkommen sollen, denn sie folgen uns bis zum Gatter.

Das Hotel hat inzwischen 2 grosse Schirme aufgestellt und bietet den Eseln ihren wohlverdienten Unterstand.

Kurz vor dem Abendessen kommen unsere Freunde ins Hotel und wir zeigen ihnen noch „unsere“ Esel.

Und dann passiert es, die Esel sehen uns und schreien uns ein herzergreifendenes Ia entgegen. Einen größeren Liebesbeweis kann man von einem Esel nicht bekommt, das müsst ihr mir einfach glauben.


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